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Im Gedenken an Jürg Ewald

Ein Beitrag von Thomas Schweizer, Präsident der LGBL

Jürg Ewald ist am 18. September 2025, 87jährig, verstorben. Am 9. November fand zu seinen Ehren im Restaurant Schützenhaus, Basel, ein grosses Abschiedsfest mit über 200 Personen statt. Die LGBL war durch die zwei Vorstandsmitglieder Lorenz Degen und mich vertreten.

Jürg Ewald hatte Germanistik und Geschichte an der Universität Basel studiert und war während vielen Jahren Kantonsarchäologe und Experte für Baselbieter Dütsch. In seinen wissenschaftlichen und allgemein publizistischen Arbeiten achtete er stets auf eine saubere, korrekte Sprache und duldete keine Nachlässigkeiten.
Jürg war hochgebildet, interessierte sich immer für die Baselbieter Literatur, spielte im Orchester Liestal und gehörte zu den einflussreichsten Mitgliedern der Bühne Liestal. Dort bekleidete er abwechselnd praktisch alle Chargen, stand selber oft und gerne auf der Bühne, verfasste für die ersten 25 Jahre eine Chronik (für mich eine wichtige Quelle meiner eigenen Geschichte dieses Theaterensembles) und übersetzte auch Stücke in Baselbieter Dütsch.

Die folgende kleine Episode – ich nenne sie «Der Theatervorhang» – kann sich wohl auf Liebhaberbühnen abspielen, aber sicher nicht im professionellen Theater.

Der Theatervorhang
Eine Humoreske

März, 1970. Wir spielen Carlo Goldonis Lustspiel «Mirandolina». In einer Szene kommt es zum Disput zwischen dem Grafen von Albafiorita (das war Jürg) und dem Cavaliere di Ripafratta (das war ich) um die schöne und kluge Wirtin Mirandolina (das war Heike Martin, damals und für viele Jahre die unangefochtene Leading Lady unserer Theatergruppe). Die Wirtin geht in ihre Locandiera zurück, während Jürg und ich den Streit weiterführen sollten. Sollten!

Nach dem etwas theatralisch- lautstarken Abgang von Mirandolina, die uns gehörig den Kopf gewaschen hatte, nimmt plötzlich auch die Szene eine theatralisch-dramatische Wende: Der Vorhang geht plötzlich und unerwartet zu. Wir zwei armen Seelen stehen belämmert da, bis Jürg sagt: «Komm, wir spielen an der Rampe weiter.»

Wie wir uns durch den geschlossenen Vorhang zwängen, öffnet er sich wieder. Ein zweites Mal stehen wir ratlos da, während das Publikum lacht. Die Leute wissen erst nicht recht, ob das ein Gag der Inszenierung oder eine Panne sei. Eine Panne, eindeutig, ist man sich aber bald einig. Auch, weil wir es ja genau so sehen und unsere Mimik keine Zweifel offen lässt.

«Zurück und normal weiterspielen» flüstert Jürg, der aber seinen Ärger nur schlecht verbergen kann. Das haben wir dann so gemacht, nicht ohne einige gestotterte Extempores anzubringen, was uns dann auch Spass gemacht hat, wobei wir immer gefasst blieben, ob der verflixte Vorhang nicht doch wieder vorzeitig geschlossen würde. Nein, die verantwortliche Person beim Bedienen beliess es bei dieser einmaligen und unfreiwillig komischen Einlage, die dieses glänzende Stück bestimmt nicht nötig hat.

Also: Vorhang auf und Vorhang zu – aber immer zur rechten Zeit!