«Entdecken Sie die literarische Vielfalt der Region Basel.» Unter dieses Motto, einen Satz unseres Mitglieds Hanspeter Gautschin, möchte ich meinen ersten Jahresbericht der Literarischen Gesellschaft Baselland stellen.
Es ist ein treffender Satz, denn unser Ziel muss es sein, die literarische Vielfalt unserer Region zunächst zu entdecken, sichtbar zu machen und einer breiteren Öffentlichkeit näherzubringen. Wir wollen auf einheimische Autorinnen und Autoren aufmerksam machen, auf heutige und frühere, auf bekannte und beinahe vergessene. Und ja: Wir wollen zum Lesen animieren.
Unsere Gesellschaft, abgekürzt LGBL, wurde am 18. Januar 2025 gegründet. Wir sind also eine junge Organisation, die naturgemäss noch im Aufbau begriffen ist. Unser Ziel muss es sein, zu einer Baselbieter Institution zu werden, die wahrgenommen und anerkannt wird und ihren Platz im kulturellen Leben unserer Region einnimmt.
Heute zählen wir 30 zahlende Mitglieder, ohne dass wir bisher eine grössere Werbekampagne durchgeführt hätten. Anfang dieses Jahres entstand ein Flyer, der zur Mitgliedschaft einlädt und an einigen relevanten Orten aufliegt.
Unser Vorstand setzte sich anfänglich aus sechs Mitgliedern zusammen. Bereits im Sommer 2025 erklärte Jürg Seiberth seinen Rücktritt. Am 24. April dieses Jahres hat uns Paul Aenishänslin für immer verlassen.
Ich möchte beiden Vorstandsmitgliedern für ihre Loyalität und ihre fruchtbare, mitdenkende Mitarbeit herzlich danken. Paul Aenishänslins Tod hat uns überrascht. Wir waren damit wohl nicht die Einzigen. An der Abdankungsfeier war die LGBL durch mich vertreten. Eine kleine Todesanzeige unsererseits in der Volksstimme und in der Oberbaselbieter Zeitung sollte nicht zuletzt die Verbundenheit zwischen uns und ihm dokumentieren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Was Jürg Seiberth betrifft, freuen wir uns, dass er unserer Gesellschaft weiterhin als Mitglied verbunden bleibt. Im Vorstand verbleiben damit Johanna Stone, Urs Buess, Lorenz Degen und ich.
Nebst dem bereits erwähnten Flyer möchte ich ausdrücklich auch auf unsere ausgezeichnete Website hinweisen. Hanspeter Gautschin hat sie bereits kurz nach der Gründung für uns eingerichtet. Auch an dieser Stelle möchte ich ihm für seine Arbeit herzlich danken. Wer die Website noch nicht kennen sollte, findet sie unter www.literatur-bl.ch.
Vorstandssitzungen, Stammtische und erste Veranstaltungen
Ich komme nun zu unserem Programm und unseren bisherigen Tätigkeiten. Bis heute haben wir uns zu sieben Vorstandssitzungen getroffen. Ein eigenes Format haben wir mit unserem Stammtisch entwickelt. Zudem konnten wir ein vielfältiges literarisches Programm auf die Beine stellen oder als Veranstalter mittragen.
Der Stammtisch findet alle zwei bis drei Monate an wechselnden Orten statt. Er ist als ungezwungener Gedankenaustausch über Literatur und über viele andere Themen gedacht.
Dreimal trafen wir uns in Basel: im Restaurant Papiermühle, im Garten des Restaurants Kunsthalle und am 1. Mai im Café Hueguenin am Barfüsserplatz. Dort setzten wir einen besonderen Schwerpunkt, indem wir an die heute fast vergessene und sehr früh verstorbene Dichterin Gertrud Pfander erinnerten. Dazu stiess die Berner Schriftstellerin Barbara Traber, die als eine der besten Kennerinnen der Schweizer Frauenliteratur gelten darf.
Bereits am 9. Mai trafen wir uns zum Stammtisch im Bürgerhaus Arlesheim, wo Lorenz Degen einen Vortrag über Peter Noll hielt. Der Strafrechtsprofessor hatte über seine Krebserkrankung Tagebuch geführt und dieses später als Buch veröffentlicht. Folgerichtig nannte der Referent seinen Vortrag «Der Jurist als Schriftsteller».
Der nächste Stammtisch findet am Montag, 10. August 2026, im Restaurant Waldhaus (in der Hard) in Birsfelden, statt.
Ein literarisches Programm nimmt Gestalt an
Unser Programm weist bereits einige bemerkenswerte literarische Anlässe auf. Am 30. Oktober 2025 fand in Reinach vor über 80 Gästen ein Heinrich-Wiesner-Gedenkanlass zum 100. Geburtstag statt. Nebst einem Fachvortrag lasen wir Vorstandsmitglieder aus den Werken des Baselbieter Schriftstellers.
Diesen Abend organisierten wir gemeinsam mit dem Verein Kultur Reinach. Es muss uns auch künftig ein Anliegen sein, mit lokalen kulturellen Vereinigungen zusammenzuarbeiten. Dadurch erreichen wir eine grössere Resonanz, machen uns bekannter und dürfen meist auch mit einem grösseren Publikumsaufmarsch rechnen.
Zwischen dem 6. und 8. Februar folgten drei szenische Lesungen von «Hyazinth». Das düstere, aber sorgfältig aufgebaute Stück unseres Vorstandsmitglieds Lorenz Degen berichtet von der letzten Hinrichtung in Baselland im Jahr 1851. Die Säle in Waldenburg, Liestal und Arlesheim waren jeweils sehr gut besucht und brachten uns bei den Kollekten auch einen erfreulichen finanziellen Betrag. Am 8. März folgte in Maisprach noch eine vierte, ebenfalls gut besuchte Aufführung.
Ein weiterer Anlass fand am Freitag, 27. März statt. Am Nachmittag konnten wir das Polizeimuseum in Liestal besuchen. Nach dem gemeinsamen Nachtessen im Restaurant Farnsburg las anschliessend unser Vorstandsmitglied Johanna Stone, als Autorin Johanna M. Rieke, aus ihrem Roman «Eine Studie in Basilisken».
Der Besuch war allerdings nicht gross. Deshalb konnten wir die Lesung nicht wie vorgesehen im Saal durchführen, sondern mussten in den hinteren, abgetrennten Teil des Restaurants ausweichen. Das erwies sich nicht als ideal, weil die Nebengeräusche störten. Johanna liess sich davon nicht beirren, trat unbekümmert im historischen Kostüm auf und gestaltete eine gelungene Lesung.
Eine Lehre, die wir aus diesem Anlass ziehen, ist sicher: Wir dürfen unser Programm nicht überfrachten, und wir müssen den Veranstaltungsort sorgfältig auswählen.
Medienarbeit und öffentliche Wahrnehmung
Weitere Aktivitäten waren Stellungnahmen und literarische Beiträge für die Medien. So konnte Urs Buess ein schönes und ausführliches Porträt über Heinrich Wiesner veröffentlichen. Zum einjährigen Bestehen unserer Gesellschaft schrieb ich einen längeren Artikel, der in der Volksstimme und in gekürzter Form auch in der Oberbaselbieter Zeitung erschien.
Wenn ich ein Fazit aus dem bisherigen Geschehen ziehe und zugleich einen Ausblick auf die kommende Zeit wage, dann stelle ich fest: Unser Profil wird zunehmend sichtbar und eigenständig, kann aber durchaus noch geschärft werden.
Wir sind keine wissenschaftliche Gesellschaft. Wir wollen Sprachrohr und Plattform des literarischen Schaffens in Baselland und in der Region Basel sein. Wir verstehen uns als Förderer des einheimischen literarischen Schaffens. Der Begriff «Literatur» steht dabei für die ganze Breite schöpferischen Schreibens.
Woran wir glauben
Das wichtigste Gebot lautet für mich: Wir glauben an die Literatur in ihren unterschiedlichen Formen.
Wir glauben an eine Literatur, die zugänglich ist und interessierte Leserinnen und Leser aus allen Schichten anspricht. Eine Literatur, die kunstvoll sein darf, aber auch unbeschwert unterhalten kann. Eine Literatur, die Wissen vermittelt, neue Erkenntnisse ans Licht bringt und das ganze Spektrum des menschlichen Lebens und Daseins umfasst.
Dieses Spektrum reicht von Jonas Breitenstein über Carl Spitteler bis zur heutigen Slam Poetry.
Für mich gehören die Kantonsbibliothek Baselland, das Kulturzentrum Cheesmeyer in Sissach und das Dichter- und Stadtmuseum Liestal zu den tragenden Säulen des literarischen Lebens im Baselbiet. Es wäre schön, wenn sich unsere Literarische Gesellschaft in den kommenden Jahren ebenfalls zu einer solchen festen Grösse entwickeln könnte.
Dafür müssen wir etwas wagen. Wir müssen präsent sein, uns zeigen, uns manifestieren, für uns und unsere Mitglieder, aber auch für die breite Öffentlichkeit. Wir müssen den Kontakt mit den Behörden, insbesondere mit dem Amt für Kultur, verstärken, damit wir auch dort wahrgenommen werden. Wir können vermehrt Stellungnahmen zum literarischen Geschehen abgeben und uns in Diskussionen einbringen.
Das ist nur eine kleine Ideenskizze unserer Möglichkeiten. Vieles andere ist denkbar. Dazu braucht es aber das Engagement von uns allen.
Ich lade alle Mitglieder herzlich dazu ein. Denn wir glauben an die Literatur und an ihre mannigfaltigen Ausdrucksformen. Wir wollen uns mit Herzblut in den Dienst des literarischen Schaffens stellen.
Begeistern wir uns für die Vielfalt der Literatur, ganz allgemein, besonders aber für jene in unserer Region Basel.
Thomas Schweizer
Präsident der Literarischen Gesellschaft Baselland
Zur Foto: Im Anschluss an die Jahresversammlung führte ein gemeinsamer Besuch ins Walter-Eglin-Museum in Känerkinden. (Foto: Sabina Droll)